Kein Bild!

Kunstmuseum Karthause Ittingen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-dietikon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>397</div><div class='bid' style='display:none;'>3612</div><div class='usr' style='display:none;'>100</div>
Das abgebildete Foto konnte ich im letzten Oktober im Kunstmuseum Thurgau machen. Dieses kleine, aber feine Museum ist in den Räumlichkeiten der Karthause Ittingen untergebracht. Mich hat dieses eigenwillige Kunstwerk fasziniert, weil es so wunderbar widersprüchlich daherkommt: Der Betrachter steht in einem Museum voll von Gemälden und Bildern plötzlich vor einem Kunstwerk, das laut eigenes Aussage kein Bild ist! Richtig, da hat keiner etwas gemalt – aber ein Plakat oder ein klassischer Druck ist dieses Kunstwerk auch nicht. Wir können uns fragen: „Ja, was haben denn dann vor uns?“
Der Betrachter sieht ein gestochen klares Schrift-Bild aus acht Schriftzeichen. Sie bilden die eindeutige Aussage: „KEIN BILD“! Alle Schriftzeichen sind schwarz und gross geschrieben. Eine warnende Schrift hätte rot als Schriftfarbe gebraucht. So bleibt es eine nüchterne, unauffällig gehaltene Aussage, eine Feststellung: „KEIN BILD“. Eine Frage bleibt dem nachdenklichen Betrachter dennoch: Kann ein Schrift-Bild auch so etwas wie ein Bild sein? Es sieht so aus! Oder doch nicht? Auch ein „Nicht-Bild“ löst in einem Museum voll von Gemälden und Bildern etwas aus!
Als ich vor diesem etwas irritierenden Kunstwerk stand, kam mir Exodus 20, 4 in den Sinn. Dort heisst es im zweiten Gebot der zehn Gebote: „ Du sollst dir KEIN GottesBILD machen noch irgendein Abbild von etwas, was oben im Himmel, was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist“.
In einer Welt voll von Bildern gibt es einen Ort oder einen Raum, der laut den zehn Geboten von Bildern freizuhalten ist – den Ort bzw. Raum, an dem gerne Gottesbilder stehen. Aber wer vermag tatsächlich einen Schöpfergott als Statue darzustellen oder gar als Foto festzuhalten? Einen Gott, der die sichtbare und unsichtbare Welt geschaffen hat – und der jenseits unserer sichtbaren, materiellen Schöpfung existiert?

Einfacher ist es da schon, sich ein Bild von Jesus Christus zu machen. Immerhin war er ganz Mensch. Aber auch hier zeigte die neutestamentliche Forschung schon Ende des 19. Jahrhunderts: Unsere Jesus-Bilder sind oft intensiver von unseren kulturellen und religiösen Prägungen bestimmt als wir dies selbst wahrnehmen: „Jesus, der Moralapostel? Jesus, der Oberaufseher über Ruhe und Ordnung? Jesus, der Aussenseiter, der unsere Welt mit seinen Provokationen auf den Kopf stellt? Jesus, der grosse Redner, der Menschenmassen begeistern kann? Jesus, der ....“ Manchmal tut es gut, sich so etwas wie eine Auszeit von der eigenen Religiosität und ihren Vorstellungen und Bildern zu nehmen. „Wie geht das?“ können Sie fragen. Beispielsweise, indem wir einen stillen Ort suchen und selbst still werden, unsere Gedanken loslassen und aus der Stille heraus die biblischen Texte so lesen wie sie sind. Und plötzlich können die Texte zu uns sprechen – und unsere Vorstellungen, unser Empfinden und unser Denken verändern. Plötzlich wird aus Wahrnehmung so etwas wie Begegnung! Vielleicht probieren Sie dies einfach einmal aus?
Autor: Elmar Bortlik
Autor: Doris Zürcher     Bereitgestellt: 04.01.2018     Besuche: 29 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch